Der Kormoran

Der Kormoran

Sie sind hier:»»Der Kormoran
Der Kormoran 2018-01-25T13:29:49+00:00

Der Restrhein wie auch der Altrhein genannt wird, ist das ursprüngliche Bett des Oberrheins zwischen  Märkt und Breisach. Er ist das einzige längere Stück am Oberrhein in dem der Rhein noch seinem ursprünglichen Charakter nahe kommt. Zwischen Märkt bei Basel und Breisach ist er das letzte unverbaute Stück Rhein. Diese letzten 45 km sind eine einmalige Flusslandschaft mit schützenswerter Flora und Fauna. Er ist außerdem ein wichtiger Fischlebensraum für Fischarten wie die Äsche, Strömer, Nase, Barbe, Rheinforelle und viele weitere ökologisch wertvolle Kleinfischarten. Auch der Lachs und die Meerforelle sollten in Zukunft wieder heimisch werden.

Doch die Idylle trügt, unter der Wasseroberfläche ist nämlich die Welt überhaupt nicht mehr in Ordnung.  Dies ist allerdings von außen für den Laien nicht erkennbar, da er nicht unter die Wasseroberfläche sieht. Die Angel- und Netzfischer beklagen deshalb seit Jahren die dramatisch zurückgegangenen Fischbestände. War der Restrhein vor Jahren noch sehr fischreich, sind zwischenzeitlich einige Arten, wie die Äsche, fast vollständig verschwunden, andere sind in ihrem Bestand ernsthaft bedroht. Dies haben inzwischen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt.

Eine wesentliche Ursache für den dramatischen Fischrückgang sind die Kormorane, deren Zahl die letzten Jahre stetig gestiegen ist und die sich in immer größerer Zahl inzwischen auch ganzjährig am Restrhein aufhalten. War der Kormoran noch vor 20 Jahren ein seltener Gast am Altrhein und nur über die Wintermonate hier, sind heute Schwärme von 50 und mehr Vögeln keine Seltenheit. Auch die Zahl der Brutpaare ist die letzten Jahre enorm gestiegen. Die Gesamtpopulation am Altrhein beträgt derzeit   ca. 800 – bis 1000 Vögel. Jeder Vogel frisst jeden Tag 500 g Fisch und nach Expertenuntersuchungen wird mindestens noch die gleiche Menge an Fischen bei der Beutejagd verletzt. Ein Beweis für den dramatischen Einfluss der Kormorane auf die Fischpopulationen sind die typischen Prätationslöcher. Das heißt, dass die Längen- bzw. Größenverteilung der Fischbestände komplett gestört ist. Mehrfache Kontrollbefischungen haben gezeigt, dass Fische in der Größenordnung zwischen 15 und 45cm kaum noch vorhanden sind. Und genau diese Größe bevorzugen die fischfressenden  Kormorane. Diese Defizite in der Größenverteilung (Fraßloch) findet man auch an vielen anderen Gewässern mit starker Kormoran-Präsenz.

Der Kormoran ist ein äußerst erfolgreicher Fischjäger.  Dabei jagt er nicht nur im tiefen Wasser, sondern auf Grund der immer knapper werdenden Nahrung fischt er im Schwarm auch systematisch die Jungfischhabitate ab, was sich bei Untersuchungen des Mageninhalts von Kormoranen auch bestätigt hat. Sobald ein Flußabschnitt systematisch abgefischt ist, ziehen sie weiter zum ächsten Gebiet. Auch die für die Fische so wichtigen Winterlager – meist beruhigte Wasserbereiche, wie Hinterwasser an Buhnen – werden inzwischen regelmäßig von Kormoranschwärmen heimgesucht. Dabei sind die Kormorane so geschickte Jäger, dass selbst das zum Schutz und Deckung für die Fische eingebrachte Todholz sie nicht von der Jagd abhalten kann. Gerade in diesen Bereichen werden nicht nur Jungfische, sondern auch sehr viele für die Reproduktion so wichtigen Laichfische gefressen oder verletzt.  Eine im März 2007 durchgeführte Fischbestands-Untersuchung hat ergeben, dass von 210 untersuchten Fischen in einer Größe von 20 bis 40cm 49.1% von den Kormoranen verursachte Verletzungen mit zum Teil tiefen Fleischwunden hatten.

Der Altrhein – eine idyllische „intakte Flusslandschaft“ – diese Aussage gilt nicht für den Bereich unter Wasser:  Einige Fischarten, wie die Äsche, sind fast vollständig verschwunden, andere wie Forelle, Strömer und Nase in ihrem Bestand bedroht. Auch die Lachse, die im Altrhein künftig ein wichtiges Laich- und Jungfischhabitat finden sollen, werden bei der derzeit hohen Kormoranzahl kaum eine Chance haben. Insofern muss dringend in den Kormoranbestand eingegriffen werden dabei taugt der Abschuss einzelner Tiere, die so genannte Vergrämung. So wie von Seiten des Naturschutzes gefordert wird, dass die Rehwildbestände zum Wohle des Waldes, die Wildschweine zum Schutz von Riedwiesen oder Marder und Fuchs wegen bodenbrütender Vögel kurz zu halten, so muss auch die ungebremste Zunahme der Kormorane zum Schutz der Fischbestände aufgehalten werden. Dies erfolgt in sehr beschränktem Umfang seit zwei Jahren.

Damit unsere heimischen Fischarten auch in Zukunft  noch eine Chance haben, aus eigener Kraft ihre Art zu erhalten, wird man mittelfristig um einen Eingriff in die Brutkolonien nicht herumkommen, wenn man das Problem nachhaltig lösen will.” Bislang war der Kormoran nur von den Meeresküsten in kleinen Beständen bekannt. Er hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte im europäischen Binnenland ausgebreitet. Der Altrhein ist ein klassisches Beispiel dafür, wie er mit seinem bisher nicht bekannten Fraßdruck die Fischbestände reduziert. Dabei leiden besonders die naturnahen, reich gegliederten Gewässerabschnitte mit ihrem wertvollen und artenreichen Fischbeständen. Der Altrhein ist dabei nur eines von hunderten vergleichbarer Beispiele in Mitteleuropa. Betroffen sind vor allem Klein – und Jungfische verschiedenster Art und sehr seltene Fischarten. Hier ist der Kormoran zu einem zentralen Problem des Fischartenschutzes geworden. Jeder wahre Naturfreund akzeptiert diesen faszinierenden Neubürger an unseren Binnengewässern. Für einen umfassenden Naturschutz, der auch den Lebensraum unter der Wasseroberfläche berücksichtigt, ist es hingegen unerläßlich, auf die Ausgewogenheit der verschiedenen Tiergruppen zu achten um auch den Gewässern angemessene Fischbestände zu sichern.

Die IGAR bejagt den Kormoran gemäss geltender Kormoranverordnung im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Nur durch regelmässige Hegeabschüsse von Kormoranen wird es möglich sein, unsere Fischbestände einigermassen zu schützen und zu erhalten.